Dr. Gabriele Passabi

E-Mail
passabig@gmail.com
Adresse
Trierer Kolleg für Mittelalter und Neuzeit, c/o Cusanus Institut, Domfreihof 3, 54290 Trier
Fachrichtung
Geschichte
Projekt

Die Politik der Zeit: Das Schreiben von Universalchroniken in den normannischen Welten im langen zwölften Jahrhundert (ca. 1050-1228)

Die neuere Forschung hat viel über die politische Rolle der Geschichtsschreibung und ihr Verhältnis zu Erinnerung und Rhetorik im Mittelalter herausgefunden. Universalchroniken sind jedoch meist im Hintergrund geblieben. Mit wenigen Ausnahmen wurden die Weltchroniken des zwölften Jahrhunderts als rein chronologisch oder nationalgeschichtlich ausgerichtet abgetan, insbesondere jene, die außerhalb der politischen Umgebungen geschrieben wurden, die im zwölften Jahrhundert eine universelle Vormachtstellung beanspruchten (d. h. das Deutsche Reich und das Papsttum). In diesem Projekt soll untersucht werden, wie die Konstruktion der Vergangenheit und das Verständnis von Zeit in der politischen Kultur der normannischen Welten im langen zwölften Jahrhundert (ca. 1050-1228) zusammenwirkten. Insbesondere sollen die Strategien, der intellektuelle Hintergrund und die ideologische Reichweite der Chronisten verglichen werden, die im politischen Milieu des normannischen und angevinischen Cross-Channel Empire und des normannischen und frühen staufischen Königreichs Süditalien tätig waren. Jahrhundert verfolgten englische, normannische und italienische Chronisten ehrgeizige Projekte, um die Geschichte Englands, der Normandie und des Mezzogiorno innerhalb der Weltgeschichte zu rekonstruieren, indem sie an maßgebliche Traditionen anknüpften oder von der biblischen Schöpfung aus neu begannen. In einer Zeit, in der die Überprüfung von Fakten durch die Manuskripttechnologie begrenzt und Informationen leicht manipulierbar waren, wurde durch die Neuschreibung von Vergangenheit und Gegenwart innerhalb des übergreifenden universellen Rahmens der Heilsgeschichte eine wahre „Zeitpolitik“ betrieben. Durch die Vermittlung zeitlicher Kontinuität und die Ausarbeitung von Informationen schufen die Chronisten politische Zeitnarrative, die die zeitgenössische Macht als providentiell und notwendig legitimierten. Dieses Projekt wird untersuchen, wie und warum Chronisten des zwölften Jahrhunderts den historisch-politischen Prozess im Hinblick auf die zeitgenössische politische Ordnung ausarbeiteten. Durch die Analyse der textlichen und visuellen Strategien des Chronikschreibens und vor allem der Netzwerke der Manuskriptüberlieferung wird dieses Projekt ein neues Licht auf die Rolle des universellen Chronikschreibens bei der Artikulation von Zeit, Macht und historischen Prozessen innerhalb der politischen und intellektuellen Kultur Englands, der Normandie und des mediterranen Italiens im langen zwölften Jahrhundert werfen.

Studium

2014-2016 Mittelalterliche Geschichte, King’s College London (Master)
2010-2013 Geschichte, Philosophie uund Anthropologie, University of Siena (Bachelor)

Wissenschaftliche Abschlüsse

2021 Promotion in Geschichte
2016 Master in Mittelalterlicher Geschichte, Cambridge
2013 Bachelor in Geschichte, Siena

Beruflicher Werdegang

08-12/2021 Stipendiat am Trierer Kolleg für Mittelalter und Neuzeit
11/2020-04/2021
10/2019-06/2021

  • Gabriele Passabi, Fitting the missing tile”: universal chronicle-writing and the construction of the Galfridian past in the Continuatio Ursicampina’, in S. Church (ed.), Anglo-Norman Studies 43 (Woodbridge: Boydell, forthcoming 2021), pp. 75-86.
  • Gabriele Passabi, An Archaeology of Robert of Torigni’s Chronica: the second redaction and change in political discourse’, Revue Bénédictine, 129:2 (2019), pp. 319-344.

2021

  • Universal chronicle-writing and changing political climates: Robert of Torigni’s Chronography and ideas of empire”, Haskins Society-sponsored session ‘Writing Medieval History / Reading Medieval History’, International Medieval Congress 2021, University of Leeds, 2-9 July 2021, Leeds (UK).

2020

  • Fitting the missing tile’: universal chronicle-writing and the construction of the Galfridian past in the Continuatio Ursicampina”, Battle Conference for Anglo-Norman Studies 2020: a virtual ‘workshop’, 24 July 2020

2018

  • Avranches, Bibliothèque Municipale, MS 159 as Robert of Torigni’s Liber Chronicorum”, International Colloquium ‘Autour de la Bibliothèque virtuelle du Mont Saint-Michel. État des recherches sur l’ancienne bibliothèque monastique’, convened by Marie Bisson (Université de Caen Normandie) and Stéphane Lecouteux (Université de Caen Normandie), 5-7 September 2018, Avranches-Mont-Saint-Michel (France).
  • Remembering since the Creation: Universal History as a Manuscript in Torigni’s Liber Chronicorum”, International Medieval Congress 2018, University of Leeds, 2-5 July 2018, Leeds (UK).

2017

  • Ordiri telam narrationis: The chronicle of Sigebert of Gembloux and the rethinking of tradition”, Cambridge AHRC DTP Annual Conference – Tradition and Transformation, 18-20 September 2017, Emmanuel College, Cambridge (UK).